(Elf) Freunde sollt Ihr sein!

Da setzt sich jemand hin, vielleicht zusammen mit einigen Kumpels, und näht drei Meter lange Bettlaken zu einem 15-Meter langen Transparent zusammen. Dann nimmt er rote Farbe und schreibt mit ungelenker Schrift Worte wie “Hurensohn” darauf. Dann rollt er das lange Transparent ein und schleppt es an sämtlichen Kontrollen vorbei ins Stadion zu seinem Stammplatz in der Kurve. Dann während des Fußballspiels fällt ihm ein, dass er ja ein Transparent bei sich hat, was noch ausgerollt werden muss. Schulterklopfen bei den Nachbarn, toller Hecht, Respekt, ein Macker. Irgendwann ist das lange Transparent ausgerollt, gut sichtbar im Fernsehen und für alle auf der Gegentribüne. Die unter dem Transparent sehen nichts, auch weil der Rausch von Pyrotechnik sich noch nicht ganz verzogen hat. Aufregung und Spielunterbrechung. Das Spiel, an sich ein gutes, steht auf der Kippe. Lange wissen die Schiedsrichter und die Fußballgranden nicht was zu tun ist.

Das Spiel ist noch unterbrochen, die Spieler wollen verständlicherweise nicht mehr kicken. Dann aber wird das Spiel doch wieder angepfiffen und die Spieler haben 15 Minuten Zeit sich den Ball lustlos hin und her zu kicken. Dann: Ende! Ein Großteil der Zuschauer ist längst gegangen.

Für den fußballinteressierten Zuschauer am Fernsehen, der nicht unbedingt die Interna eines jeden Vereins kennt, bleibt Fassungslosigkeit und auch Wut. Was ist da los? Soll der Fußball kaputtgemacht werden? Von wem? Sicher, persönliche Beleidigungen und Verunglimpfungen sind nicht zu akzeptieren bei einem Spiel, was im Kern die Eigenschaft hat Menschen zu verbinden und zu vereinen. Aber warum ist die Wut einiger Zuschauer so groß, dass sie sich dazu hinreißen lassen. Jemand, der Stunden damit verbringt Bettlaken zusammenzunähen, um Verunglimpfungen darauf zu kritzeln, muss doch einen Grund haben. Vielleicht ist es das unbestimmte Gefühl sehr vieler Fußballanhänger, dass ihr Sport nur noch als Gelddruckmaschine funktionieren und der Zuschauer im Stadion bestenfalls konsumieren soll? Sind rassistische Beleidigungen nur eine Möglichkeit sich Gehör zu verschaffen? Wo sind die Kanäle für Fußballanhänger und den Vereinen miteinander zu reden? Und wo sind die Vereine, die ihre Fans noch ernst nehmen?

Menschen, die komplett ignoriert werden, fühlen sich abgehängt und suchen sich Wege, die nicht mehr von der gesellschaftlichen Norm mitgetragen werden – und für die Vereine “geschäftsschädigend” sind. (Elf) Freunde sollt Ihr sein!

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